Missbrauch und Manipulation von Fahrtenschreibern: Wie Europa gegen Betrug vorgeht

Von Magneten bis hin zu Software – in den letzten Jahren haben sich die Betrugsmethoden leider erheblich weiterentwickelt. Andererseits sind auch die „einfachsten“ Methoden, wie das Fahren mit der Karte einer anderen Person, nach wie vor beliebt.
Tachograph abuse and manipulation

Im Mai rückten erneut verstärkte Kontrollen von Nutzfahrzeugen in ganz Europa in den Fokus. Im Rahmen der regelmäßigen „Truck&Bus Operation“ – einer koordinierten Aktion des Europäischen Verkehrspolizeinetzwerks (ROADPOL) – standen Lkw bereits zum zweiten Mal in diesem Jahr im Mittelpunkt. Jedes Jahr finden drei solcher Kontrollwochen statt, und zu den am häufigsten festgestellten Verstößen im Lkw-Verkehr gehören fast immer der Missbrauch und die Manipulation von Fahrtenschreibern.

Trotz immer fortschrittlicherer Technologie und effizienterer Kontrollmethoden bleibt die Manipulation von Fahrtenschreibern eines der größten Probleme im Güterkraftverkehr in Europa. Von Inspektoren auf dem gesamten Kontinent aufgedeckte Fälle zeigen, dass selbst intelligente Fahrtenschreiber der zweiten Generation nicht vollständig vor Betrug gefeit sind: Die „Fälschung“ nimmt lediglich neue Formen an. Es scheint, dass sich parallel zur Entwicklung neuer Technologien auch neue Methoden zur Umgehung der Vorschriften herausbilden.

Andererseits werden die Aufsichtsbehörden immer besser, ebenso wie die Betrüger. Das Ziel ist klar: unlautere Geschäftspraktiken zu unterbinden, die zudem eine große Gefahr für die Verkehrssicherheit darstellen.

Die Entwicklung von Betrugsmethoden: Magnete, Sensoren, gefälschte Software…

Das Fahren mit einem Magneten ist leider ein Phänomen, das schon immer in Prüfberichten auftauchte. Betrüger haben verschiedene Tricks angewendet: Sie haben Magnete im Rahmen des Radios, in der Nähe des Getriebes usw. angebracht, immer mit dem Ziel, eine Fahrerrast zu vortäuschen, während das Fahrzeug in Bewegung ist.

Doch das war erst der Anfang.

Auf diesen Bereich spezialisierte Polizeibeamte sind sich einig, dass sich die Techniken zur Manipulation von Fahrtenschreibern in den letzten fünfzehn Jahren erheblich weiterentwickelt haben. Anfangs waren einfachere Formen des Missbrauchs (wie der Einsatz von Magneten) am weitesten verbreitet, doch im Laufe der Zeit kamen komplexere Methoden auf, darunter Eingriffe in die Hardware selbst – wie beispielsweise der Einbau zusätzlicher Impulssensoren oder die Manipulation bestehender Sensoren. Gleichzeitig entwickelten sich softwarebasierte Manipulationen, die über USB-Geräte oder PIN-Codes aktiviert wurden. Obwohl der intelligente Tachograph im Juni 2019 eingeführt wurde, ist er nicht vor Missbrauch gefeit, da auch Fälle von Hardware-Manipulationen verzeichnet wurden.

Darüber hinaus sind „einfache“ Verstöße wie das Fahren ohne Fahrschein oder die Nutzung des Fahrscheins einer anderen Person nach wie vor weit verbreitet.

Neue Technologien, strengere Strafen

Experten sind sich einig, dass die intelligenten Fahrtenschreiber der zweiten Generation, die im internationalen Lkw-Verkehr in der EU (und bald auch im Transporterverkehr) vorgeschrieben sind, im Vergleich zu früheren Modellen für mehr Sicherheit sorgen – auch wenn Betrüger natürlich immer „cleverer“ werden. Ein bemerkenswerter Nebeneffekt des Mobilitätspakets in diesem Segment ist, dass durch den vorgeschriebenen Austausch von intelligenten Fahrtenschreibern der Version 1 durch Geräte der zweiten Generation ein Teil der manipulierten Fahrtenschreiber aus den Fahrzeugen entfernt wurde. Es wird davon ausgegangen, dass dies deren Anzahl deutlich reduziert hat.

„Transportunternehmen in Kroatien wegen Manipulation mit 3.000 € Geldstrafe belegt, Fahrer mit 900 €“, „Bis zu 5.000 € Geldstrafe für die Fälschung von Fahrtenschreiberdaten“, „Gefängnisstrafe für den Besitz von Geräten zur Manipulation von Fahrtenschreibern“, „Strengere Kontrollen und höhere Strafen in Schweden“ – solche und ähnliche Schlagzeilen sind in den Medien keine Seltenheit.

Europa geht zunehmend organisiert und mit modernsten technischen Mitteln gegen die Manipulation von Fahrtenschreibern vor, indem es koordinierte internationale Kontrollen, strengere Strafen und digitale Instrumente kombiniert.

Auch wenn sich die Vorschriften natürlich von Land zu Land unterscheiden, wird Manipulation zunehmend als organisierte Straftat oder sogar als kriminelle Handlung behandelt. Dadurch verlagert sich der Fokus von den einzelnen Fahrern auf das gesamte System, einschließlich Transportunternehmen, Anbietern betrügerischer Geräte und anderen Akteuren.

Zu Beginn des Jahres erregte ein Fall vor einem belgischen Gericht besondere Aufmerksamkeit, als zwei polnische Staatsangehörige zu Freiheitsstrafen verurteilt wurden. Einige Jahre zuvor waren sie beim Verkauf von Geräten für Tachographenbetrug erwischt worden, die, wie sich später herausstellte, von mehreren Transportunternehmen genutzt wurden. Das Gericht kam zu dem Schluss, dass sie in abgestimmter Weise handelten und Unternehmen dabei halfen, Tachographenbetrug zu begehen, indem sie USB-Geräte und Software zur Verfügung stellten sowie bereits manipulierte Geräte lieferten.

Was neue Technologien angeht, so gilt die Fernauslesung von Fahrtenschreibern als eine Maßnahme, die die Ermittlung problematischer Fahrzeuge und deren Auswahl für eingehende, „manuelle“ Kontrollen erheblich erleichtert hat. Obwohl es sich lediglich um ein Instrument zur Vorauswahl handelt, spielt diese Methode auch eine wichtige abschreckende Rolle: Wenn die Wahrscheinlichkeit, dass Betrugsfälle aufgedeckt werden, höher ist, sind weniger Menschen bereit, sich darauf einzulassen.

Erfahrungs- und Wissensaustausch

Ein weiterer wichtiger Schritt zur Aufdeckung und Ahndung solcher Verstöße ist die Zusammenarbeit der Kontrollbehörden verschiedener Länder.

So organisiert beispielsweise das Europäische Verkehrspolizeinetzwerk (ROADPOL) regelmäßig spezielle Schulungen, bei denen Polizeibeamte und Verkehrskontrolleure Erfahrungen austauschen und von führenden Experten lernen (sogenannte Masterclasses). Diese Schulungen verbinden in der Regel Vorträge, Vorführungen und praktische Übungen, wodurch die Teilnehmer ihre Fähigkeiten zur Aufdeckung von Manipulationen verbessern und ein tieferes Verständnis für Fahrtenschreibersysteme erlangen können. Die jüngsten ROADPOL-Masterclasses widmeten sich genau der Aufdeckung von Betrug im Zusammenhang mit intelligenten Fahrtenschreibern der zweiten Generation – damit die Inspektoren den Betrügern immer einen Schritt voraus sind.

Auch wenn der Güterkraftverkehr von vielen Seiten unter Druck steht und es heutzutage nicht leicht ist, wettbewerbsfähig zu bleiben, dürfen Manipulationen und Missbrauch von Fahrtenschreibern kein Mittel sein, um sich auf dem Markt zu behaupten. Die Fälschung von Daten zu Lenk- und Ruhezeiten ist für alle Verkehrsteilnehmer äußerst gefährlich: Sie spart keine Zeit, sondern gefährdet die Verkehrssicherheit erheblich.

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